Je mehr Büro, desto Problem

Ich arbeite nun schon viel zu lange etwas über 8 Monaten als externer Berater in einer etwas grösseren Firma in Bern. Wenn ich morgens an meinen Arbeitsplatz watschle, laufe ich hinauf in den 2ten Stock in die Zone 8 des Grossraumbüros.
Ich grüsse Moritz, mein Gegenüber, welcher ausser bei Ferienabwesenheit immer früher da ist als meine Wenigkeit. Danach setze ich mir meine Sennheiser -Kopfhörer auf und je nach den klimatischen Gegebenheiten werfe ich mir einen Schal um, ab und zu werden auch meine Schweissbänder an das Handgelenk montiert oder die Krawatte wird ausgezogen und ein paar Köpfe am Hemd aufgeknüpft und natürlich schalte ich alle Telefone auf „Blinken“.


Ja, ich bin es mir gewohnt in Grossraumbüros zu arbeiten. Ich glaube ich könnte überall arbeiten.

So langsam füllt sich das Büro. In meinem Blickfeld sehe ich so an die 15 Personen welche mehr oder weniger motiviert ihrer Tätigkeit nachgehen. Der erste Geruch von Kaffee macht sich breit. Mein Arbeitsplatz ist etwa in der Mitte der Bürofläche. Wenn ich aufstehe und mich um meine eigene Achse drehe sehe ich etwas über 100 Arbeitsplätze und nur 2 attraktive Girls. Ich kann mir ein grinsen nicht verkneifen. Grossraumbüroarbeitsplätze haben grosse Ähnlichkeiten mit Vorstadtgartenanlagen. Manche Plätze sind dermassen „personalisiert“, man bekommt den Eindruck die Leute sind wohl schon ihr ganzes Leben an diesem Platz. Es gibt auch Leute die sich so richtig schön einbunkern. Manche haben sogar eine extra Reihe USM-Möbel auf den eigentlich sonst einheitlich 1.5 Meter hohen USM-Ablageflächen welche sich wie ein Gitternetz durch die gesamte Bürofläche ziehen. Privatsphäre ist hier wohl das Stichwort. Privatsphäre, auch ein lustiges Stichwort in Grossraumbüros. Während sich die einen ungeniert auf Gmail oder Facebook tumeln und allen vorbeilaufenden einen kurzen Einblick in ihr Privatleben gewähren, gibt es andere die immer gerade dann wenn jemand vorbeiläuft das Programm mit „alt+tab“ wechseln müssen.

 

Es ist kurz vor halb zehn. Die ersten Sonnenstrahlen suchen sich den Weg ins innere des Gebäudes. Die ersten Sonnenrollläden werden von Herrn Rüdig heruntergelassen. Irgendwer findet es müffelt hier, und öffnet ein Fenster. Blätter flattern. Frau Rothenbühler telefoniert. Wenn Frau Rothenbühler telefoniert, bräuchte sie eigentlich kein Telefon, denn ihre Stimme bewegt sich irgendwo zwischen 96 und 107 Dezibel. Wie gesagt es stört mich nicht. Ich zieh den Schal etwas enger und drehe die Lautstärke an meinem iPod etwas höher. Irgendwann hat schliesslich mal wer beschlossen, dass es Leben auf diesem Planteten geben soll, ich vermute mal das ist eine der Konsequenzen davon.

 

Nun haben wir aber jetzt eine Taskforce. Ich weiss das, weil unser Facility Management (früher nannte man die Leute noch Herr Hauswart oder so) mir, das heisst uns allen ein E-Mail geschickt hat.


Sorry, aber ich muss an dieser Stelle kurz abschweifen:
Ich war soeben auf
http://de.wikipedia.org/wiki/Facility_Management
Lasst mich den 3ten(!) Satz zitieren:
„In Deutschland ist dieser Fachbegriff in der DIN EN 15221-1 auch zur Verwendung im Deutschen genormt.“

HALLO???? Wäre bitte ein Deutscher so lieb und würde mir erklären warum ihr Fachbegriffe in irgend so einer DIN-Norm zur Verwendung im Deutschen normt?

Zurück zum E-Mail von unserem Hauswart Facility Management (ich hoffe mal der Fachbegriff ist in der Schweiz auch genormt, ansonsten bekommt mein Brötchengeber wohl echte Schwierigkeiten von der DIN-Aufsichtsbehörde).

 

In diesem E-Mail war die Rede davon, dass sich zur Steigerung der Behaglichkeit in dem Bürokomplex nun eine Taskforce gebildet hat. Die Taskforce bestehend aus Mitarbeitern hat die Aufgabe „Problemfelder“ zu finden und allfällige Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

 

Ich frage mich welche Mitarbeiter sich freiwillig für eine solche Aufgaben melden. Wohl die Sonnenanbeter neben Herrn Rüdig, oder die Nachbarn von Frau Rothenbühler…

 

Mir ist das ganze irgendwie egal irgendwann läuft ja hier auch mein Mandat aus. Ich geh jetzt nach draussen, an die frische Luft, lass mich von der Sonne etwas erwärmen, rauche meine Zigi und geniesse mein RedBull.

 

//abstraktum hat geschlossen

 

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